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Versammlung des "Allgemeinen Deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland" in Wiesbaden, 18. Januar 1900

Aus Anlass der Reichsgründungsfeier1 findet in Wiesbaden eine Versammlung des "Allgemeinen Deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande" statt, die aus allen Schichten der Bevölkerung stark besucht wird. Der Verein wurde am 15. August 1881 unter maßgeblicher Beteiligung der Historiker Theodor Mommsen (1817–1903) und Heinrich von Treitschke (1834–1896) ins Leben gerufen. Damals beschloss die Berliner Ortsgruppe des 1880 zur Stärkung des Grenz- und Auslandsdeutschtums in den Kronländern der österreichischen Reichshälfte Österreich-Ungarns ("Cisleithanien") in Wien gegründeten "Deutschen Schulvereines" (DSchV), in einem Schwesterverbund die ca. 50 selbständigen reichsdeutschen Unterstützervereine des DSchV zu einem "Allgemeinen Deutschen Schulverein" zu zusammenzufassen. Im Gegensatz zu diesem sollten die Aktivitäten nicht allein auf die Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie beschränkt bleiben, sondern dazu dienen, durch die Errichtung und Erhaltung deutscher Schulen, Kindergärten und Bibliotheken weltweit alle Deutschen außerhalb des Mutterlandes "… dem Deutschtum zu erhalten und sie nach Kräften in ihren Bestrebungen, Deutsche zu bleiben oder wieder zu werden, zu unterstützen"2. Dem Verein, der in Deutschland Lobbyarbeit leistet und Spendensammlungen organisiert, und dem insbesondere die Förderung des deutschen Schulunterrichts im Ausland am Herzen liegt, gelingt es in den ersten Jahrzehnten seines Bestehend nicht, ähnlich wie sein österreichisches Pendant die breite Masse der Bevölkerung zur Mitarbeit zu bewegen. 1891 gehören dem reichsdeutschen Schulverein etwa 27.000 Mitglieder an. 1908 benennt sich der Verband in "Verein für das Deutschtum im Ausland" (VDA) um. 1938 verliert der VDA seine Unabhängigkeit und wird unter der Bezeichnung "Volksbund für das Deutschtum im Ausland" im NS-Apparat "gleichgeschaltet". Nach Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst verboten, erfolgt 1955 die Neugründung unter dem alten Namen "Verein für das Deutschtum im Ausland".
(OV/KU)


  1. Alljährlich wird der Reichsgründungstag in Erinnerung an die Kaiserproklamation im Spiegelsaal des von deutschen Bundestruppen besetzten Schlosses Versailles am 18. Januar 1871 gefeiert.
  2. Tammo Luther, Volkstumspolitik des Deutschen Reiches 1933–1938, S. 44.
Belege
Weiterführende Informationen
Hebis-Schlagwort
Deutschland ; Deutsche ; Ausland ; Auslandsdeutsche ; Deutsches Kaiserreich ; Österreich ; Verein für das Deutschtum im Ausland ; Nationalismus
Empfohlene Zitierweise
„Versammlung des "Allgemeinen Deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland" in Wiesbaden, 18. Januar 1900“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/3251> (Stand: 16.8.2017)
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