Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Hermann Cohen, Vom ewigen Frieden

Themengruppe: Erster Weltkrieg
Typ: Verschiedene Quellen
Beschreibung: Zur ersten Kriegsweihnacht 1914 erschien unter dem Titel „Deutsche Weihnacht. Eine Liebesgabe deutscher Hochschüler“ ein kleiner Sammelband mit Texten und Gedanken zum Krieg. Die in hoher Auflage gedruckte und verteilte Schrift richtete sich in erster Linie an die vielen Tausend Studenten, die Weihnachten im Kriegseinsatz verbringen mussten und denen diese Liebesgabe zum Fest Erbauung, Erklärung und Trost bringen sollte.

Der (angeblich) von Studenten zusammengestellte Band enthält 26 Beiträge und Grußworte, vor allem von deutschen und österreichischen Professoren, wie dem Berliner Historiker Max Lenz, dem Theologen Adolf Deißmann, dem Klassischen Philologen Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf, dem Wiener Indologen Leopold von Schroeder und dem Münchener Philosophen Friedrich Wilhelm Foerster. Auch zumeist nationalistisch und kriegsfreundlich gesinnte Schriftsteller wie der englisch-deutsche Antisemit Houston Stewart Chamberlain oder der österreichische Genredichter Peter Rosegger sind mit kurzen Beiträgen vertreten.

Zu den Autoritäten, die vermutlich von den Herausgebern um einen Beitrag gebeten wurden, gehört auch der jüdisch-deutsche Philosoph Hermann Cohen (1842-1918), der als Begründer und Vertreter des sog. Neukantianismus vor allem in seiner Zeit als Professor für Philosophie an der Universität Marburg (1876-1912) zu den bekanntesten und bedeutendsten Vertretern seines Faches gehörte. Zum Kriegsbeginn lebte Hermann Cohen in Berlin, wohin er nach seiner Emeritierung übergesiedelt war.

In seinem Beitrag widmet sich Cohen der Frage nach dem Verhältnis des Ideals des ewigen Friedens zum Kriegseinsatz seiner studentischen Leser. Den vermeintlichen Gegensatz reduziert er auf das Begriffspaar von Freiheit und Notwendigkeit. Die Idee des Friedens ist dabei Aufgabe des Menschen, nicht Wirklichkeit. Mit ihrem Kriegseinsatz erheben sich die Soldaten in ihrem reinen Willen in das Land der sittlichen Freiheit. Der Kampf für das Vaterland in dem Deutschland aufgezwungenen Krieg ist in diesem Sinne ein Kampf für den Inbegriff des Guten am Werk des ewigen Friedens.

Die Wirkung des kleinen Beitrags des Philosophen Hermann Cohen, die auf eine Rechtfertigung und idealistische Überhöhung des Kriegseinsatzes hinausläuft, ist nicht bekannt. Seine Thesen, dass der ewige Friede eine Idee sei, der Pflicht zum kriegerische Einsatz für das Vaterland aber eine Notwendigkeit, eine Verwirklichung des Inbegriffs des Guten sei, dürfte seine Wirkung jedoch bei vielen nicht verfehlt haben.
Autor/in: Hermann Cohen
Laufzeit: 1914
Bezugsort: Marburg
Drucknachweis: Deutsche Weihnacht. Eine Liebesgabe deutscher Hochschüler, 1914, S. 41-48.
Rechte: Der Text ist gemeinfrei.
Bearbeiter/in: Otto Volk
Empfohlene Zitierweise: „Hermann Cohen, Vom ewigen Frieden“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <http://www.lagis-hessen.de/de/purl/resolve/subject/qhg/id/166> (aufgerufen am 20.09.2017)
Faksimile: Kein Faksimile vorhanden
 
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