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Tod der Prinzessin Mafalda von Hessen im KZ Buchenwald, 27. August 1944

Prinzessin Mafalda von Hessen (1902–1944), geb. Mafalda von Savoyen, die Tochter des italienischen Königs Vittorio Emanuele III. (1869–1947) und Ehefrau von Philipp Prinz von Hessen (1896–1980) erliegt am frühen Morgen des 27. August im Konzentrationslager Buchenwald (am Ettersberg bei Weimar in Thüringen) den schweren Verletzungen, die sie drei Tage zuvor, am 24. August bei einem Luftangriff der United States Army Air Forces (USAAF) erlitten hat. Prinzessin Mafalda wurde bei dem Bombenangriff der amerikanischen Luftwaffe, die den Rüstungsbetrieben am Stammlager Buchenwald galten, verschüttet und überlebte zunächst mit schweren Verwundungen und Verbrennungen.1 Die Bewohnerin der bei dem Angriff völlig zerstörten „Baracke 15“ war bis dahin den meisten Lagerinsassen nur als „Frau von Weber“ bekannt. Am Morgen des 9. September, unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Waffenstillstands in Italien (8. September 1943), hatte Hitler Prinz Philipp von Hessen, der sich zu diesem Zeitpunkt im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ in Ostpreußen aufhielt, verhaften und – nach Zwischenstationen in Königsberg und Berlin – in das Konzentrationslager Flossenbürg bringen lassen. Eine nähere Begründung für seine Verhaftung erhielt er nicht.

Am 22. September wurde Mafalda von Savoyen offenbar mit Billigung des deutschen Botschafters vom Kommandeur der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Rom Herbert Kappler (1907–1978) unter dem Vorwand, ihr Mann wolle sie am Telefon sprechen und es gebe nur dort eine sichere Leitung, in die deutsche Botschaft gelockt. Als sie dort eintraf, wurde sie unverzüglich zum Flughafen gebracht und nach Berlin geflogen. Von dort aus gelangte sie wenige Tage später nach Buchenwald, wo sie sich eine Baracke mit Tony Breitscheid (geb. Drevermann), der Ehefrau des SPD-Abgeordneten Rudolf Breitscheid teilte. Anders als ihr Mann Rudolf, der bei dem Luftangriff am 24. August 1944 sofort ums Leben kam, wurde Tony Breitscheid wie Mafalda aus den Trümmern ihrer Baracke gerettet und überlebt die KZ-Haft und das Kriegsende. Sie berichtet am 14. Juli 1945 an die italienische Königin Elena (1873–1952): „Ich glaube, sie wurde beschuldigt, über die Änderungen des politischen Kurses in Italien Bescheid gewusst und die deutschen Behörden darüber nicht informiert zu haben.“
(KU)


  1. Eine unvermeidliche Amputation des linken Arms wurde angeblich auf Weisung des Lagerleiters entgegen den Forderungen des tschechischen Lagerarztes hinausgezögert. Ob man Mafalda von Savoyen tatsächlich mit Absicht sterben ließ, ist jedoch umstritten.
Belege
Weiterführende Informationen
Hebis-Schlagwort
Hessen, Mafalda Prinzessin von
Empfohlene Zitierweise
„Tod der Prinzessin Mafalda von Hessen im KZ Buchenwald, 27. August 1944“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/875> (Stand: 27.8.2017)
Ereignisse im Juli 1944 | August 1944 | September 1944
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Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde