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Flughafen Frankfurt Buchsymbol · Fraport AG Buchsymbol

Flughafen Frankfurt

  1. Zusammenfassender Überblick
  2. Entstehung des ersten Verkehrsflugplatzes am Rebstock
  3. Entwicklung der Verkehrsluftfahrt nach dem 1. Weltkrieg unter Schranken
  4. Die Südwestdeutsche Luftverkehrs AG als erste Betreibergesellschaft
  5. Der Flugplatz am Rebstock wird zu klein
  6. Der Bau des neuen Flughafens unter der Ägide der Nationalsozialisten
  7. Die Luftschifffahrt in Frankfurt
  8. Startplatz der „Rosinenbomber“ während der Berlin-Blockade
  9. Übergang des Nordteils zurück in zivile Hände 1950
  10. Heimatflughafen der Lufthansa
  11. Anpassung an die Erfordernisse des Düsenflugverkehrs 1959/60
  12. Eröffnung des Terminals Mitte 1972: Antwort auf den steilen Anstieg des Fluggastverkehrs

1. Zusammenfassender Überblick

Der Flughafen Frankfurt Rhein-Main ist der größte deutsche Flughafen und eines der weltweit bedeutendsten Luftverkehrsdrehkreuze. Gemessen an seinem Verkehrsaufkommen von 56,4 Millionen Passagieren in 2011 liegt der Rhein-Main Airport heute auf Rang 3 innerhalb Europas hinter dem London-Heathrow Airport (mehr als 69 Millionen Passagiere) und dem Aéroport Paris-Charles-de-Gaulle (etwa 61 Millionen Passagiere). Weltweit belegt der Frankfurter Flughafen den Platz 9 in der Rangliste der größten (verkehrsreichsten) Verkehrsflughäfen. Erste Pläne zu seinem Bau entstanden bereits während der 1920er Jahre. 1930 fasste der Magistrat der Stadt Frankfurt den Entschluss zum Neubau eines Flughafens im Frankfurter Stadtwald südlich des Stadtteils Schwanheim, nachdem der existierende Flughafen auf dem Rebstockgelände im Stadtteil Bockenheim an seine räumlichen Grenzen stieß und keine Perspektiven für einen weiteren Ausbau bot. Das Vorhaben eines Flughafenneubaus scheiterte jedoch zunächst aufgrund der Weltwirtschaftskrise, deren Auswirkungen Deutschland in den Jahren 1930 bis 1932 mit voller Wucht trafen. Die Pläne des Magistrats wurden jedoch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 erneut aufgegriffen. Verwirklicht wurde bis 1936 nicht nur ein neuer Flughafen im Frankfurter Stadtwald sondern auch ein zentraler Anflugpunkt für den expandierenden Luftschiffverkehr. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Frankfurter Flughafen vorrangig der deutschen Luftwaffe als Militärflugplatz. Nach Kriegsende wurde die Start- und Landebahn von den amerikanischen Streitkräften erneuert, die hier mit der Rhein-Main Air Base einen bis 2005 genutzten festen Stützpunkt errichteten.

1959 wurde der Frankfurter Flughafen als erster deutscher Großflughafen in den internationalen Düsenflugverkehr einbezogen. Die wichtige Anbindung an internationale und interkontinentale Linienflüge wurde durch die Verlängerung der Hauptstartbahn Nord des Rhein-Main-Flughafens auf 3.300 m vorbereitet, die rechtzeitig zum Inkrafttreten des Sommerflugplans 1959 in Betrieb genommen werden konnte. Um auch den modernsten Großraumjets den Anflug auf Frankfurt zu ermöglichen, erfolgte im September 1959 eine nochmalige Vergrößerung der Hauptstart- und Landestrecke auf eine Länge von nunmehr 3.900 m. Damit stand in Frankfurt-Main die zu dieser Zeit bestausgebaute (sprich: längste) Start- und Landebahn für moderne Verkehrsflugzeuge zur Verfügung. Die Eröffnung des Jetzeitalters in den Jahren 1959 und 1960 wurde zum Ausgangspunkt eines großangelegten Ausbauprogramms, mit dem die Flughafenbetreibergesellschaft der prognostizierten Vervielfachung des Fluggastaufkommens in den folgenden Jahren und Jahrzehnten begegnete. Bereits seit 1957 hatte man das Flughafen-Vorfeld einschließlich der die Verbindung zu den Start- und Landeflächen schaffenden Rollwege so erweitert, dass eine Kapazität von 60 bis 70 Starts und Landungen pro Stunde angestrebt werden konnte. Ein unterirdisch verlaufendes Tanksystem und die Modernisierung der Flugsicherungsanlagen rundeten die infrastrukturelle Entfaltung des Flughafens schrittweise ab. 1965 erfolgte die Grundsteinlegung für das Großprojekt Terminal Mitte, das seit 1960 diskutiert worden war und für das erste detailliierte Vorentwurfspläne seit 1961 vorlagen. Das Terminal Mitte, dessen Bau Frankfurt-Main zeitweise zur größten Einzelbaustelle Europas werden ließ, wurde 1972 eröffnet. Anfang der 60er Jahre waren auch erste Pläne zum Neubau einer weiteren Startfläche, um das beständig wachsende Flugverkehrsaufkommen auch in Zukunft bewältigen zu können. Dem Vorhaben standen jedoch in einer Zeit wachsenden Umweltbewusstseins zahlreiche Anrainergemeinden skeptisch gegenüber. Mehr als 100 Klagen vor den hessischen Verwaltungsgerichten verhinderten für fast 10 Jahre den Bau der späteren Startbahn 18 West, deren schlussendliche Verwirklichung eine der größten von Bürgerinitiativen getragenen sozialen Gegenbewegungen in der Geschichte der Bundesrepublik auf den Plan rufen sollte.

2. Entstehung des ersten Verkehrsflugplatzes am Rebstock

Zum Ausgangspunkt der Entstehung des Frankfurter Flughafens wurde die am 10. Juli 1909 in Frankfurt am Main eröffnete Internationale Luftschifffahrt-Ausstellung (ILA). Die ILA erlangte nicht nur während ihrer Veranstaltungsdauer große Bedeutung für den Tourismus der Mainmetropole, sondern gilt darüber hinaus auch als Initialzündung für die Entwicklung der des deutschen Luftverkehrs und der deutschen Luftfahrtindustrie,

Der im Rahmen der ILA genutzte provisorische Start-und Landeplatz am Rebstock blieb auch nach Beendigung des Luftfahrtsalons erhalten. Das Gelände wurde samt zugehörigem Gutshof 1911 vom Frankfurter

Verein für Luftfahrt und der 1909 gegründeten Deutschen Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG) übernommen und man begann unverzüglich mit dem Bau einer Luftschiffhalle, die am 14. Februar 1912 eingeweiht wurde. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte auch die Stationierung des Luftschiffs LZ 11 „Viktoria Luise“ auf dem Fluggelände am Rebstock. Die „Viktoria Luise“ (benannt nach der dem jüngsten Kind Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktorias, Prinzessin Viktoria Luise von Preußen) absolvierte anlässlich der Einweihung des Flugplatzes am 14. Februar ihre Jungfernfahrt, nach dem das Luftschiff erst kurz zuvor überführt worden war. Damit begann in Frankfurt am Main ein geregelter Luftverkehrsbetrieb zum Transport von Passagieren und Fracht. Die „Viktoria Luise“ absolvierte bis zum Kriegsausbruch 1914 489 Fahrten, beförderte 9.738 Passagiere und legte eine Reisestrecke von insgesamt 54.312 Kilometer zurück

Aufgrund des im Friedensvertrag von Versailles festgeschriebenen, bis 1926 bestehenden Betriebsverbots von großen Flugzeugen bei deutschen Luftverkehrsgesellschaften, und den kriegsbedingt verloren gegangenen Kontakten ins Ausland dauerte es nach der Niederlage Deutschlands allerdings einige Jahre, bis die Luftfahrt in Frankfurt an ihre frühere Bedeutung als Luftverkehrsstandort anknüpfen konnte. Unter erheblichen Anstrengungen gelang, es im Herbst 1922 den Flugdienst auf dem Flugplatz am Rebstock wieder aufzunehmen.1

3. Entwicklung der Verkehrsluftfahrt nach dem 1. Weltkrieg unter Schranken

Zuvor hatte die Entwicklung des Luftverkehrsgewerbes in Deutschland bereits Anlauf zu einer rasanten Entwicklung genommen. Zwar wurden die Möglichkeiten der am Luftverkehrsgeschäft interessierten Unternehmen durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags eingeschränkt. Bis zum Pariser Luftfahrtabkommen von 1926 unterlag die Motorleistung, die Geschwindigkeit, die Steigfähigkeit, die Höchstzuladung und das Treibstoffvolumen der bei deutschen Luftverkehrsgesellschaften betriebenen Flugzeuge strengen Reglementierungen.2 Trotzdem hatten bereits 1920 37 Gesellschaften eine Konzession erhalten.3

4. Die Südwestdeutsche Luftverkehrs AG als erste Betreibergesellschaft

Große Bedeutung für die Entwicklung des Luftverkehrs in Frankfurt am Main erlangte die 1924 gegründete Südwestdeutsche Luftverkehrs AG. Sie entstand auf Initiative eines Konsortiums Frankfurter Kaufleute, die sich mit der Stadt Frankfurt und der Junkers Luftverkehr AG zusammenschlossen, um die Gesellschaft aus der Taufe zu heben. Das Unternehmen (Stammkapital 400.000 RM) fungierte als Betreibergesellschaft des Flugplatzes am Rebstock und führte bereits im Mai 1924 einen planmäßigen Luftverkehrsdienst ein. Eine ihrer Hauptaufgaben bestand darin, Kontakte zu ausländischen Behörden und Luftverkehrsgesellschaften zu knüpfen und zu pflegen, um den Flugplatz in Frankfurt zu einem der wichtigsten Kreuzpunkte europäische Verkehrslinien. Darüber hinaus war die Südwestdeutsche Luftverkehrs AG 1925/26 an der Gründung der „Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft“ beteiligt.

5. Der Flugplatz am Rebstock wird zu klein

In den folgenden Jahren stieg das Verkehrs- und Passagieraufkommen des Flughafens am Rebstock ständig: waren 1912, im Gründungsjahr des Flughafens, noch 536 Fluggäste und etwas mehr als 1 Tonne Fracht abgefertigt worden, so hatten sich diese Zahlen bereits bis 1925 verzehnfacht.4

Da sich bereits zu Ende des Jahrzehnts abzeichnete, dass die Kapazitäten des Flugplatzes am Rebstock dem weiteren Anwachsen des Luftverkehrs nicht gewachsen waren, und das aus dem provisorischen Landeplatz der Luftfahrtfahrtausstellung von 1909 entstandene Gelände keine Möglichkeiten bot, die Verkehrsflächen und Infrastruktur wesentlich zu erweitern, beschloss der Magistrat der Stadt Frankfurt 1930 den Neubau eines größeren Flughafens, der im Frankfurter Stadtwald südlich von Frankfurt-Schwanheim entstehen sollte. Das Vorhaben fiel zunächst allerdings den in den Jahren 1931/32 auf Deutschland übergreifenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zum Opfer.

6. Der Bau des neuen Flughafens unter der Ägide der Nationalsozialisten

Einen zweiten Anlauf fand das Projekt nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Der Flughafen wurde dabei in Zusammenhang mit dem im September 1933 bei Frankfurt begonnen Bau der Reichsautobahn und den Zubringerstrecken gebracht. Er entstand in unmittelbarer Nähe des neuen Autobahnkreuzes („Frankfurter Kreuz“), das die beiden Straßenverkehrsstrecken Gießen–Frankfurt–Darmstadt und Köln–Frankfurt–Würzburg miteinander verband.

Der NS-Politiker Jakob Sprenger (1884–1945), Reichsstatthalter und Ministerpräsident des Volksstaates Hessen sowie Leiter des Gaues Hessen-Nassau, machte den prestigeträchtigen Flughafenneubau zu seinem Steckenpferd und beteiligte sich eigenhändig an der ersten Baumfällung auf dem Baugelände, mit der Anfang 1934 symbolisch die Rodung eingeleitet wurde. Sprenger sah in dem Flughafen nicht nur einen wesentlichen Bestandteil des wirtschaftlichen Ausbaus der Mainregion, sondern auch als Gelegenheit, die beiden bis dahin getrennt voneinander in seinem Gaubezirk existierenden staatlichen Territorien von Preußen und Hessen miteinander zu verklammern, da sich das Flughafengelände auf die Gebiete beider Länder erstreckte.5

Auf dem nördlichen Teil des Flughafengeländes entstanden 1935 ein zweigeschossiges Empfangsgebäude und ein sechsgeschossiger Kontrollturm, eine Zahl von Betriebs- und Nebengebäuden (darunter ein Kaffeegarten) und eine 2.400 Quadratmeter große Flugzeughalle zur Wartung und Unterbringung von Flugzeugen. Das Rollfeld erstreckte sich auf eine Fläche von etwa 100 Hektar und erhielt eine Grasdecke. Der offiziell am 8. Juli 1936 eröffnete und als „Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main“ bezeichnete neue Flughafen zählte noch in der verbleibenden zweiten Jahreshälfte insgesamt 5.270 Starts, 58.000 Fluggäste, 800 Tonnen Fracht und Gepäck und weitere 800 Tonnen Post. Die Südwestdeutsche Luftverkehrs AG behielt ihre zentrale Funktion als Betreibergesellschaft. Sie fungierte als wichtiger Geldgeber des Neubaus und übte als Aktionär der Lufthansa Einfluss auf den über Frankfurt geführten Verkehr der Fluggesellschaft aus.

7. Die Luftschifffahrt in Frankfurt

Darüber hinaus errichtete man eigens einen Luftschiffhafen, der als zentraler Stützpunkt für die im Transatlantikverkehr eingesetzten Luftschiffe „Hindenburg“ und „Graf Zeppelin“ diente. Der neue Zentralflughafen und sein zugehöriger Luftschiffhafen umfassten 1936 zusammen ein Areal von 300 ha.

Die Luftschifffahrt spielte für den Verkehr auf dem Frankfurter Flughafen eine zentrale Rolle. Die im Volksmund „Zeppelin“ (nach dem deutschen Luftschiffpionier Ferdinand Graf von Zeppelin) genannten Luftfahrzeugen wurden mit den Auftriebsmitteln Helium oder Wasserstoff gefüllt und erreichten in den 1930er-Jahren gigantische Abmessungen. Ab 1935 entstand auf dem Flughafengelände nicht nur die damals größte Luftschiffhalle der Welt (Halle I mit 275 m Länge, 52 m breite und 51 m Höhe) sondern auch eine Gas-Direktleitung zu den Farbwerken Hoechst, über die die Luftschiffe mit Wasserstoff versorgt wurden. Ihr Gebrauch als Luftverkehrsmittel fand aber ein plötzliches Ende, als im Mai 1937 das in Frankfurt beheimatete Luftschiff LZ 129 Hindenburg nahe bei Lakehurst im amerikanischen Bundesstaat New Jersey beim Landeanflug explodierte. In Folge des Unglücks wurde die kommerzielle Starrluftschifffahrt eingestellt.

Nach Beendigung des regulären Luftschiffverkehrs und dem Rückzug aller in Frankfurt verkehrenden internationalen Fluggesellschaften bei Ausbruch des Weltkrieges wurde der Stadtwald-Flughafen ab 1939 der Deutschen Luftwaffe unterstellt, die von hier aus u. a. Bombenangriffe auf französische Städte flog. 1944 wurden die Start- und Landebahn bei alliierten Luftangriffen vollständig zerstört. Ende März 1945 eroberten amerikanische Truppen den Flughafen und versetzten das Flugfeld behelfsmäßig in einen benutzbaren Zustand.

8. Startplatz der „Rosinenbomber“ während der Berlin-Blockade

Der Frankfurter Flughafen spielte anschließend eine zentrale Rolle bei der durch die Blockade der Stadt notwendig gewordenen Versorgung der Bevölkerung Berlins. Die Alliierten begannen am 26. Juni 1948 damit, den Flughafen der Mainstadt (neben Flughäfen in Hamburg und Hannover) als einen zentralen Stützpunkt für ihre Luftbrücke zu benutzen. Hier startete und landete ein großer Teil der mit Hilfsgütern nach Berlin entsandten Frachtmaschinen (im Volksmund: „Rosinenbomber“). Dabei wurde eine 1945 unmittelbar nach der Besetzung des Flughafens von den Amerikanern befestigte Piste im Südteil des Flughafens benutzt, die allerdings durch die zahlreichen Flugbewegungen während der Berliner Luftbrücke stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Daraufhin begann man ab Ende April 1949 mit dem Bau einer Parallelbahn mit einer Länge von 2.150 Metern und 61 Metern Breite, die am 22. Dezember des Jahres als zweite Start- und Landebahn in Betrieb ging. Am 12. Mai 1949 endete die Blockade Berlins durch die Sowjetunion; die Luftbrücke wurde jedoch bis Ende August 1949 weitergeführt.

9. Übergang des Nordteils zurück in zivile Hände 1950

Der durch die US-Streitkräfte wieder in Betrieb genommene Rhein-Main-Flughafen blieb zunächst in der Hands der amerikanischen Militärverwaltung. Erste zivile Linienflüge wurden auf dem Rhein-Main-Flughafen ab dem 18. Mai 1946 durch die amerikanische Fluggesellschaft American Overseas Airlines auf der Strecke New York–Frankfurt angeboten. Bereits 1948 unterbreitete der Leiter der Civil Aviation Division des High Commissioner of Germany (HICOG) dem US State Department den Vorschlag, den zivilen vom militärisch genutzten Teil des Flughafens abzutrennen. Dies wurde im April 1950 mit den sogen. „Südteil-Vertrag“ besiegelt. Am 27. Mai 1950 ging der Nordteil des Rhein-Main-Flughafen in die Verwaltung der Verkehrs-Aktien-Gesellschaft Rhein-Main (die spätere Flughafen Frankfurt/Main AG) über.

1949 flogen bereits sieben Fluggesellschaften den Frankfurter Flughafen an: die US-amerikanischen Unternehmen American Overseas Airlines und Pan American World Airways, die britische Gesellschaft British European Airways (Großbritannien), die in Stockholm ansässige Scandinavian Airlines System, die belgische SABENA, die Swissair und eine niederländische Linie.´6 1952 unterhielten bereits 16 der größten ausländischen Luftverkehrsgesellschaften ständige eigene Niederlassungen in Frankfurt.7

Im Frühjahr 1952 ersuchte der Hessische Landtag mit einem einstimmig gefassten Beschluss die Landesregierung, sich mit allen Mitteln dafür einzusetzen, dass der Rhein-Main-Flughafen entsprechend seiner geographisch und verkehrsmäßig besonders günstigen Lage das zentrale Luftverkehrszentrum der Bundesrepublik bleibe.8

10. Heimatflughafen der Lufthansa

Seit Mitte der 1950er-Jahre ist der Rhein-Main-Flughafen Heimatflughafen der wichtigsten deutschen Fluggesellschaft. Die am 6. Januar 1953 zunächst unter dem Firmennamen LUFTAG (Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf) neugegründete und 1954 – nach dem Erwerb der Markenrechte der in Liquidation stehenden „alten“ Lufthansa der Vorkriegszeit – umbenannte Deutsche Lufthansa AG eröffnete am 1. April 1955 mit einem Linienflug Hamburg-München ihren regulären Linienverkehr.

11. Anpassung an die Erfordernisse des Düsenflugverkehrs 1959/60

Mit der Eröffnung einer neuen Flugverbindung per Jetflugzeug von London über Frankfurt nach Neu-Delhi und Tokio durch die britische Fluggesellschaft BOAC (British Overseas Airways Corporation) wurde der Frankfurter Rhein-Main-Flughafen Anfang April 1959 als erster deutscher Flughafen in den internationalen Düsenflugverkehr einbezogen. 1959 (Nordbahn) und 1960 (Südbahn) erfolgte eine Verlängerung der Startbahnen, die man damit den Erfordernissen zum Betrieb von großen Düsenverkehrsflugzeugen anpasste.

Mit Verlängerung der Pisten des Parallelbahnsystems verfügte der Rhein-Main Airport über die damals längsten und modernsten Start- und Landebahnen für Verkehrsflugzeuge in Europa und schuf damit die Voraussetzungen zum Aufstieg in die Kategorie A des Klassifikationssystems der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation International Civil Aviation Organization (ICAO). Zugleich entsprach die Betreibergesellschaft Flughafen Frankfurt/Main AG damit einer Weisung der Bundesregierung, als erster deutscher Airport die Voraussetzungen für einen Anschluss an den interkontinentalen Linienverkehr mit Düsenflugzeugen zu schaffen. Im Laufe des Jahres 1959 begannen schließlich insgesamt sieben Airlines mit dem Betrieb von Jetverkehrsmaschinen in Frankfurt.

12. Eröffnung des Terminals Mitte 1972: Antwort auf den steilen Anstieg des Fluggastverkehrs

Einen Meilenstein in der Geschichte des Frankfurter Flughafens bildet die Eröffnung des Terminal Mitte (heute: „Terminal 1“) im März 1972. Mit dem nach siebenjähriger Bauzeit und mit vierjähriger Verspätung fertiggestellten Terminal – einer Anlage, die zum damaligen Zeitpunkt ausreichte, um 30 Millionen Fluggäste im Jahr abzufertigen – beantwortete die Flughafen AG den steilen Anstieg des Fluggastaufkommens, das zu Beginn der 1960er-Jahre einsetzte und ab Ende des Jahrzehnts vom Aufkommen einer neuen Generation von Großraumflugzeugen („Jumbo-Jet“) und des Charter-Verkehrs begleitet wurde. 1960, im Jahr nach der Fertigstellung der modernen Parallelbahn, zählte der Frankfurter Flughafen rund 2,17 Millionen Fluggäste; bis 1965 wuchs diese Zahl auf 4,87 Millionen und erreichte 1970 schließlich 9,4 Millionen.9 Dies bedeutete eine Steigerung um mehr als das Vierfache innerhalb eines Jahrzehnts. Zugleich prognostizierten Analysten ein weiteres erhebliches Wachstum des Luftverkehrs in den 1970er-Jahren.

Das Terminal Mitte war zur Zeit seiner Entstehung zeitweise die größte Einzelbaustelle Europas. Zu seiner Ausstattung zählen 56 Fluggastbrücken und eine elektronisch gesteuerte Gepäckförderanlage von 38 km Länge. Mit der Inbetriebnahme des Terminals Mitte wurde es möglich, dass auf dem Rhein-Main-Flughafen bis zu 70 Verkehrsflugzeuge aller Größenklassen gleichzeitig Fluggäste aufnahmen oder absetzten. Die Gesamtkosten für das Terminal beliefen sich auf mehr als eine Milliarde DM.

Kai Umbach


  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung 09.12.1949, S. 10: „Im Sommer wieder Kaffeegast im Flughafen – Der Nordteil des Platzes geht an die zivile Luftfahrt über“.
  1. Dabei zeichnete sich schon nach kurzer Zeit ab, dass das Flugplatzgelände am Rebstock auf Dauer zu klein war. Ein von Oberbürgermeister Ludwig Landmann in Auftrag gegebenes Gutachten bezweifelte bereits 1924 die langfristige Ausbaufähigkeit des Flugplatzes, der rundum von Betriebsanlagen der Reichsbahn umschlossen wurde.
  2. Die ursprünglichen Bestimmungen dazu wurden 1925 etwas gelockert und erst 1926 freigegeben. Absicht der Alliierten war es, einer kriegerischen Verwendung deutscher Verkehrsflugzeuge zuvorzukommen. Ein Bauverbot für motorisierte Flugzeuge bestand für deutsche Firmen bis 1922. Vgl. Fischer, Albert: Luftverkehr zwischen Markt und Macht (1919–1937): Lufthansa, Verkehrsflug und der Kampf ums Monopol (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte: Beihefte 167), Stuttgart 2003 (zugl.: Jena, Univ., Habil.-Schr., 2002); S. 27 f.
  3. Vgl. Voigt, Fritz: Verkehr, Bd. 2, Die Entwicklung des Verkehrssystems, 2. Hälfte, Berlin 1965, S. 739.
  4. Vgl. Wustrack, Michael K.: Der Frankfurter Flughafen: eine Geschichte in Bildern, Erfurt 2003, S. 7.
  5. Sandner, Peter: Verwaltung des Krankenmordes: der Bezirksverband Nassau im Nationalsozialismus (Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen: Hochschulschriften 2 / Reihe "Forschung psychosozial"), Gießen 2003 (zugl.: Frankfurt (Main), Univ., Diss., 2002), S. 159.
  6. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.02.1952, S. 5: „Frankfurt besitzt einen der modernsten Flughäfen Europas / Düsseldorf kommt mit eigenen Plänen“.
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.1952, S. 3: „Mit allen Mitteln für den Frankfurter Flughafen“.
  8. Vgl. Wikipedia: Verkehrszahlen des Flughafens Frankfurt am Main, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrszahlen_des_Flughafens_Frankfurt_am_Main, nach Angaben einer Veröffentlichung des amerikanischen Historikers John Preovan und der Betreibergesellschaft Fraport AG (abgerufen am 06.12.2014).
Sachbegriffe
Rhein-Main-Flughafen · Startbahn West · Landebahn Nordwest
Einträge
  1. Eröffnung des Rhein-Main-Flughafens in Frankfurt, 8. Juli 1936
  2. Ausweitung der Flugverbindungen der Lufthansa ab Flughafen Frankfurt, 4. April 1937
  3. Vergabe des Architekturpreises zum Ausbau des Frankfurter Flughafens, 14. Juni - 15. Juni 1951
  4. Landtag tritt für Rhein-Main Flughafen als Luftverkehrszentrum ein, 13. März 1952
  5. Frankfurter Hauptbahnhof und Rhein-Main-Flughafen werden Wahlbezirke zur der Bundestagswahl, 30. August - 5. September 1953
  6. Verkehrs-AG Rhein-Main plant Flughafenausbau, Oktober 1953
  7. Erste Landung eines Linienfluges der neugegründeten Lufthansa auf dem Rhein-Main-Flughafen, 1. April 1955
  8. Frankfurter Flughafen in Düsenflugverkehr einbezogen: britische Gesellschaft eröffnet Anbindung an round-the-world-service, 2. April 1959
  9. Rechenzentrum der Europäischen Organisation für Weltraumforschung kommt nach Darmstadt, 4. April 1965
  10. Gründung einer Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms, 27. April 1965
  11. Unvorhergesehene Premiere des Jumbo-Jets auf dem Rhein-Main Flughafen, 28. Januar 1970
  12. Landung des ersten Jumbo-Jets der Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen, 15. April 1970
  13. Eröffnung des neuen Terminal Mitte auf dem Frankfurter Flughafen, 14. März 1972
  14. Frankfurter Flughafen AG beabsichtigt Kauf des Flugplatzes Reichelsheim, 13. - 14. Dezember 1972
  15. Aufhebung der Planfeststellung für den Frankfurter Flughafen, 24. April 1973
  16. Der Überschall-Verkehrsjet Concorde stattet dem Rhein-Main-Flughafen seinen ersten Besuch ab, 24. April 1976
  17. Bundesverwaltungsgericht entscheidet gegen Flughafenausbaugegner aus Offenbach, 7. Juli 1978
  18. Klage gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens vor dem Bundesverfassungsgericht, 27. September 1978
  19. Fackelzug gegen den Bau der Startbahn West in Wiesbaden, 3. Februar 1981
  20. Sonderparteitag der SPD in Wiesbaden votiert für Startbahn West, 21. Juni 1981
  21. Räumung des Hüttendorfs an der Startbahn 18 West, 2. November 1981
  22. Friedliche Großdemonstration gegen die Startbahn West in Wiesbaden, 14. November 1981
  23. Ministerpräsident lehnt Eröffnung eines Volksbegehrens gegen die Startbahn West ab, 25. November 1981
  24. Baustopp auf dem Baugelände der Startbahn West, 14. Dezember 1981
  25. Hessischer Staatsgerichtshof weist Volksbegehren gegen Startbahn West ab, 15. Januar 1982
  26. 50 millionster Passagier auf dem Frankfurter Flughafen, 20. Dezember 1984
  27. Verhaftung eines Flugzeugentführers auf dem Rhein-Main-Flughafen, 13. Januar 1987
  28. Heiße Phase des Landtagswahlkampfs beginnt, 8. Januar 1999
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde