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Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

  1. Übersicht
  2. Was ist das Reichsbanner?
  3. 2. Welchen Zweck verfolgte das Reichsbanner?
  4. 3. Wie entstand das Reichsbanner?
  5. 4. Wie war das Reichsbanner innerhalb des Volksstaates Hessen aufgestellt?
  6. 5. Prominente Politiker und spätere Landtagsabgeordnete aus Hessen im Reichsbanner
  7. Widerstand gegen das NS-Regime im Rhein-Main-Gebiet
  8. Engagement in der Provinz: das Reichsbanner im Main-Taunus-Kreis im Vorfeld der Wahl zum preußischen Landtag am 24. April 1932

1. Übersicht

1. 1. Was ist das Reichsbanner?

Das am 22. Februar 1924 in Magdeburg auf einer Delegiertenkonferenz unter Leitung des Oberpräsidenten der preußischen Provinz Sachsen, Otto Hörsing (1874-1937), von Mitgliedern der SPD, der Deutschen Zentrumspartei, der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und Gewerkschaftlern ins Leben gerufene Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner, kurz Reichsbanner, war ein Zusammenschluss bereits bestehender lokaler (sozial-) demokratischer „Selbstschutzorganisationen“ in der Weimarer Zeit. Es entstand als Reaktion auf die Putschversuche rechtsgerichteter Gruppierungen, die 1923 (Küstriner Putsch der „Schwarzen Reichswehr“ am 1. Oktober und Hitlerputsch am 8./9. November in München) versucht hatten, die Reichsregierung unter Reichskanzler Gustav Stresemann (1878–1929; Deutsche Volkspartei) zu stürzen und die parlamentarisch-demokratische Republik zugunsten einer rechtsgerichteten, nationalen Diktatur zu beseitigen.

1. 2. Welchen Zweck verfolgte das Reichsbanner?

Nominell überparteilich, jedoch in der Praxis klar von Sozialdemokraten dominiert1, fasste das Reichsbanner republikanische Kräfte zusammen, die sich auf lokaler und regionaler Ebene bereits als Schutzformationen organisiert hatten, um Versammlungen und Kundgebungen vor militanten Angriffen von paramilitärischen Verbänden vornehmlich aus dem monarchistisch-revisionistischen (Stahlhelm), völkischen oder faschistischen (SA) Lager zu schützen.

Das sich selbst als Republikschutzorganisation im Kampf gegen Hakenkreuz und Sowjetstern (Otto Hörsing, 1931) und Verwalter des demokratischen Erbes von 1848 verstehende Reichsbanner bildete dabei selbst einen paramilitärisch organisierten Veteranenverband, der Kriegsteilnehmern des 1. Weltkrieges die Möglichkeit bot, in einer nach militärischem Vorbild aufgebauten Organisation ihre Kriegserfahrungen der Jahre 1914 bis 1918 mit einem Eintreten für die Republik zu verbinden.2

1. 3. Wie entstand das Reichsbanner?

Das als direkte Reaktion auf die gegen die parlamentarische Republik von Weimar gerichteten Umsturzversuche von 1923 (Hamburger Aufstand am 23. Oktober und Hitlerputsch am 8. und 9. November) gebildete Reichsbanner entstand aus der Einsicht in die Notwendigkeit heraus, angesichts der sich zuspitzenden Krise des Staates und den eskalierenden Angriffen der republikfeindlichen Kräfte von rechts und links, die dezentral organisierten und stark von den jeweiligen lokalen Bedingungen abhängigen demokratischen und sozialdemokratischen Schutzverbände und Wehrformationen in einer überregionalen Organisation zusammenzuführen.

Mit den 1924 schließlich im Reichsbanner vereinten Verbänden wurden rund 500.000 Mann unter dem Dach einer reichsweit agierenden Vereinigung versammelt, die vorher in kleineren Einheiten von 1918/19 vielerorts entstandenen republikanischen Wachregimentern und sozialdemokratischen Wehren tätig geworden waren, darunter neben der Wehrbewegung „Vereinigung Republik“ in Schleswig-Holstein und Hamburg, der „Republikanischen Notwehr“ in Magdeburg- Halle, den „Republikanischen Frontkämpferbünden“ Ostpreußens, der Organisation „Schwabenland“ in Württemberg, dem „Neuen Stahlhelm, Bund republikanischer Frontkämpfer“ in Schlesien und anderen mehr auch der Sozialdemokratische Ordnungsdienst“ in Hessen-Kassel (SOD), der eigens einen Nachrichtendienst zur Überwachung der vor Ort aktiven „Nationalen Bünde“ unterhielt.

1. 4. Wie war das Reichsbanner innerhalb des Volksstaates Hessen aufgestellt?

Zentrale Persönlichkeiten der Reichsbanner-Organisation im Volksstaat Hessen, namentlich der gebürtige Frankfurter Theodor Haubach (1896-1945) und der seit seinem zehnten Lebensjahr in Darmstadt aufgewachsene Carlo Mierendorff (1897-1943; als Teilnehmer bei einem Aufmarsch des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold fotografiert am 1. Januar 1932), 1926 bis 1928 Pressereferent des hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner, arbeiteten intensiv mit den preußischen Innenministern Carl Wilhelm Severing3 und Albert Karl Wilhelm Grzesinski4 zusammen. Durch diese Zusammenarbeit ergaben sich förmliche Quer- und Längsachsen, die nicht nur Magdeburg (als Sitz des Reichsbanners) und Berlin miteinander verbanden, sondern auch Frankfurt am Main, Darmstadt und Kassel als wichtige Standorte des Banners peripher einbezogen.5

Formell und ideologisch bestanden allerdings nicht zu leugnende Parallelen zu den rechten Konkurrenzorganisationen, deren Bekämpfung sich die Anhänger des Reichsbanners verschrieben hatten. So beschwor der Verband den Zusammenhalt einer angeblichen "Volksgemeinschaft", forderte den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und wendete in seiner inneren Organisation das Führerprinzip an. Strikte Befürworter einer pazifistischen Linie in der SPD-Linken, wie der 1918 an der Gründung der KPD beteiligte Paul Levi (1883–1930) sahen im Reichsbanner die „Fleisch gewordene Idee der großen Koalition"6, da sich der Verband auch den fortschrittlichen bürgerlichen Kräften gegenüber öffnete. Weniger dogmatische Kritiker des Reichsbanners störten sich nicht nur an seiner offen nationalistisch-großdeutschen Ausrichtung: zum „Programm“ des Reichsbanners zählten regelmäßige Wehrsportübungen, die Pflege der Frontsoldatenkameradschaft und die am 8. Dezember 1926 erfolgte Gründung des „Bundes republikanischer Kleinkaliberschützenvereine Deutschlands“ mit Sitz in Magdeburg.

1. 5. Prominente Politiker und spätere Landtagsabgeordnete aus Hessen im Reichsbanner

Prominente Mitglieder des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold im Volksstaat Hessen waren u. a. auch der Kasseler Oberbürgermeister und 1919 zum ersten Reichsministerpräsidenten der Republik gewählte Philipp Scheidemann (1865-1939), der spätere hessische Landtagsabgeordnete Hans Nitsche (1893-1962), der nach Kriegsende als hauptamtlicher Sekretär der SPD und (ab 1947) als stellvertretender SED-Landesvorsitzender in Südthüringen tätige Fritz Wagner (1895-1962), der in der ersten Hälfte der 50er Jahre als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und 1954 bis 1962 als Vizepräsident des Hessischen Landtags wirkende Willi Wittrock (1898-1966) und natürlich der spätere hessische Ministerpräsident Georg August Zinn (1901-1976).

2. Widerstand gegen das NS-Regime im Rhein-Main-Gebiet

Das Reichsbanner im Volksstaat Hessen wurde im Vorfeld der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ nicht nur zu einem wichtigen Träger des sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Widerstands, sondern auch zur Keimzelle eines bereits 1932 konzipierten konspirativen Pioniersystems für den Fall eines Parteiverbots. Die gezielte organisatorische und propagandistische Vorbereitung auf den als unvermeidlich angesehenen Umsturz von Rechts führte dazu, dass Formationen des Reichsbanners sowie der Eisernen Front, eines ebenfalls paramilitärischen Zusammenschlusses aus SPD, Reichsbanner, Arbeitersportvereinen und sozialdemokratischen Gewerkschaften, Anfang 1933 nicht nur allerorten zum Abwehrkampf bereitstanden, sondern teilweise vehement auf ein energisches Vorgehen gegen die Nationalsozialisten drängten. Vorsorglich hatte man auf dem Gelände des Frankfurter Arbeitersportvereins Westend rund 50 Gewehre und Pistolen, ein Maschinengewehr, mehrere tausend Schuss Munition und 150 Stielhandgranaten versteckt. Angesichts der aussichtslosen Perspektive eines organisierten Generalstreiks und der innerhalb der sozialdemokratischen Organisationen heftigen Opposition gegenüber einem evtl. Zusammengehen mit der KPD, v. a. aber auch aufgrund des strikten Festhaltens der sozialdemokratischen Führungsriegen am Legalitätsprinzip, blieb das „ersehnte Signal zum Losschlagen“ allerdings aus.7 Die Hoffnung, das Blatt könne sich mit der Reichstagswahl am 5. März noch einmal wenden, wurde bitter enttäuscht. Die NSDAP erzielte im Volksstaat Hessen ein Ergebnis von 47,4 Prozent der abgegebenen Stimmen, während die SPD als zweitstärkste Kraft mit 18,3 Prozent weit abgeschlagen erschien. Am 17. März 1933 wurden Reichsbanner und Eiserne Front in Hessen verboten.


Widerstand regte sich zu diesem Zeitpunkt in stärkerem Maße v. a. auf Seiten der gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Jugendverbände, namentlich derer, die im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) zusammengeschlossen waren, aber auch bei Jugendgruppierungen der Arbeitersportverbände, der SPD (Sozialistische Arbeiterjugend SAJ) und nicht zuletzt des Reichsbanners Schwarz Rot Gold. Ein zum März 1933 veröffentlichter gemeinsamer Aufruf verkündete ungebrochenen Kampfgeist:

Jugend der Eisernen Front! Die politische und soziale Reaktion hat ihre letzten Reserven mobilisiert zum Kampf gegen die Freiheitsbewegung des deutschen Volkes. Wir nehmen den Kampf auf. Das recht und der Geist der Verfassung sind unsere Bundesgenossen. Setzt alle eure Kräfte ein. Werbt neue Kämpfer gegen die drohende Gewaltherrschaft der vereinigten faschistisch-kapitalistischen Reaktion. Ihr habt euch in dem Kampfjahr 1932 tapfer geschlagen, wir rechnen auch jetzt auf euch! Sie „neuen Herren“ haben und die Vernichtung angedroht. Sie können uns nicht schrecken. Die arbeitende und freiheitsliebende Jugend wird nicht eher ruhen, bis das System des 30. Januar in Deutschland wieder beseitigt ist. […]8

Sozialdemokraten aus dem Umfeld des vormaligen hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner ergriffen im Frühjahr 1933 die Initiative zum Aufbau eines konspirativen Netzwerks, um den neuen Machthabern antinazistisches Schriftgut entgegen zu setzen und die „Zersetzung“ der lokalen und regionalen Strukturen des nationalsozialistischen Regimes zu betreiben. Zu den maßgeblichen Aktivisten zählte wiederum der mittlerweile zur Fahndung ausgeschriebene Pressereferent Leuschners, Carlo Mierendorff. Ihm zur Seite stand der ehemalige Vorsitzende des Frankfurter Sozialistischen Deutschen Studenten-Bundes und Reichsbanner-Aktivist Siegfried Höxter. Gemeinsam mit Gleichgesinnten griffen sie auf das Konzept des 1932 entwickelten konspirativen Pioniersystems der SPD zurück, das vorsah, vor allem jüngere Parteianhänger und SAJ-Aktivisten (später auch ältere SPD-Kader) zu Fünfergruppen zusammenzufassen, um „aus dem Untergrund heraus“ konspirative Agitationsarbeit gegen die Nazis zu betreiben. Die Mierendorff-Höxter-Gruppe, die von einer als private Geburtstagsfeier getarnten Gründungsversammlung aus ihren semi-„offiziellen“ Ausgangspunkt nahm, organisierte im Raum Frankfurt eine ganze Anzahl von konspirativen Zusammenkünften, um die Widerstandsarbeit zu koordinieren und weitere Anhänger zu gewinnen.

3. Engagement in der Provinz: das Reichsbanner im Main-Taunus-Kreis im Vorfeld der Wahl zum preußischen Landtag am 24. April 1932

Neben den Großstädten, wo das Reichsbanner Schwarz Rot Gold durchgehend über starke Einheiten verfügte, war die Organisation aber auch in der Provinz aktiv. So gab es nach einem vom Preußischen Innenministerium im August 1932 angeforderten Bericht des sozialdemokratischen Landrates Wilhelm Apel (1873-1960) im Main-Taunus-Kreis insgesamt fünf Ortsgruppen des Reichsbanners, nämlich in Hofheim, Hattersheim, Lorsbach, Kelkheim und Bad Soden. Zusätzlich existierten vier weitere Ortsgruppen9 des auf Initiative und unter maßgeblicher personaler Beteiligung des Reichsbanners als Eiserne Front aufgestellten Abwehrbündnisses gegen Nationalisten („Harzburger Front“) und Nationalsozialisten.10

Wilhelm Apels älterer Sohn Paul (1896-1965) fungierte von 1929 bis zum Verbot und zur Auflösung der Organisation als Gaugeschäftsführer des Reichsbanners für Hessen und Nassau. Sein jüngerer Sohn Wilhelm (1905-1969), nach Kriegsende Mitglied der Verfassungberatenden Landesversammlung Groß-Hessen des Hessischen Landtags, bekleidete ebenfalls eine Funktionärsstelle innerhalb des republikfreundlichen Kampfverbandes, nämlich als Führer des Reichsbanners in der damaligen Kreisstadt Höchst. Wilhelm Apel (jr.) war außerdem Kreisführer der „Eisernen Front"  im Main-Taunus-Kreis.

Eine erste Funktionärskonferenz der Eisernen Front im Main-Taunus-Kreis fand am 17. Januar 1932 in Höchst statt. Organisator war der Sekretär des Fabrikarbeiterverbandes, Verwaltungsstelle Höchst, Peter Nida (1884-1945). Nida, SPD-Mitglied und für seine Partei von 1929 bis 1933 als Kreistagsabgeordneter aktiv, übernahm auch die Leitung bei der Organisation von Volksversammlungen, die die Kampfleitung der „Eisernen Front“ im Vorfeld der preußischen Landtagswahl am 24. April 1932 unter dem Motto „Der Kampf um Preußen“ in fast allen Orten des Kreises veranstaltete. Der in Hattersheim geborene Gewerkschaftssekretär beteiligte sich aktiv an der Arbeit einer von Paul Apel initiierten illegale SPD-Bezirksorganisation Hessen-Süd, gelangte im Juni 1933 in „Schutzhaft“ der Nationalsozialisten und verbrachte (nach erneuter Inhaftierung im Oktober 1935) sein Lebensende von April 1941 bis zu seinem Tod im März 1945 in KZ-Haft in Dachau. Paul Apel, der nach dem SPD-Verbot sein politisches Engagement auf konspirativer Ebene fortsetzte, und u. a. ab 1934 ein Verteilernetz für die zwischen Oktober 1933 und März 1938 (illegal) erscheinende Wochenzeitung Sozialistische Aktion: Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands#048419494 errichtete, erging es nicht besser: er wurde ebenfalls Ende 1935 verhaftet, vom Volksgerichtshof später zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt (Auszug des Urteils) und ins Konzentrationslager Dachau verbracht. Apel überlebte jedoch die Gefangenschaft und war nach Kriegsende am Wiederaufbau der Frankfurter SPD beteiligt.11

Das Ergebnis der preußischen Landtagswahl von 1932 zeigte ein für die demokratischen Kräfte niederschmetterndes Ergebnis. Die SPD erhielt nicht mehr als 21,2 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen, die ebenfalls im Reichsbanner vertretene DDP – mittlerweile in Deutsche Staatspartei (DStP) umbenannt – verschwand mit nur noch 1,5 Prozent Zustimmung in der Bedeutungslosigkeit. Das im Gegensatz dazu gewaltige Erstarken der NSDAP von 2,9 auf 36,2 Prozent (mit 162 Mandaten nunmehr stärkste Fraktion im preußischen Landtag) ebnete den Weg zum sogen „Preußenschlag“, der mit der Absetzung der geschäftsführenden Regierung am 20. Juli 1932 die letzte demokratische Bastion der Weimarer Republik beseitigte. In der Folge begann die systematische Überwachung des Reichsbanners durch die preußische Polizei.

Im Volksstaat Hessen wurden Mitglieder des Reichsbanners nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten systematisch verfolgt. Viele von Ihnen sperrte man in das im Frühjahr/Sommer 1933 eingerichtete Konzentrationslager Osthofen.

Kai Umbach


  1. Anhänger der DDP und der Zentrumspartei, die ebenfalls im Reichsbanner vertreten waren, standen zahlenmäßig gegenüber den Sozialdemokraten stark zurück. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 90 Prozent der Reichsbanner-Mitglieder dem SPD-Lager zuzurechnen waren.
  2. Vgl. dazu ausführlich Ziemann, Benjamin: Contested commemorations: republican war veterans and Weimar political culture (Studies in the social and cultural history of modern warfare), Cambridge 2013, S. 60 ff.
  3. Carl Wilhelm Severing (1875-1952) bekleidete das Amt des preußischen Innenministers von 1920 bis 1926 und prägte durch seine Republikanisierung der Verwaltung und Polizei die Politik des Freistaats in der Weimarer Zeit entscheidend. Der in Herford (NRW) geborene Severing wurde 1928 zum Reichsinnenminister im zweiten Kabinett der Regierung Hermann Müller ernannt. Nach dem Rücktritt Albert Grzesinskis und einem kurzen Intermezzo Heinrich Waentigs kehrte Severing am 21. Oktober 1930 erneut auf den Posten des preußischen Innenministers zurück.
  4. Albert Karl Wilhelm Grzesinski (1879-1947), ein in Treptow an der Tollense geborener Metalldrücker, gelangte als Funktionär des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (DMV) nach Offenbach am Main, wo er von 1903 bis 1906 auch den Vorsitz des örtlichen SPD-Verbandes innehatte. 1907 wechselte Grzesinski nach Kassel, wo er bis 1919 als Sekretär des DMV und von 1918 bis 1919 Vorsitzender eines Gewerkschaftskartells wirkte. Nach Ende des Ersten Weltkriegs übte der wegen seiner Sozialpolitik verbreitet Anerkennung findende Grzesinski als Mitglied des Kasseler Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrats (und von 1919 bis 1924 als Abgeordneter bzw. Vorsitzender der Kasseler Stadtverordnetenversammlung) bestimmenden Einfluss auf die kommunale Politik in Kassel und Nordhessen. Ab 1919 gehörte Grzesinski der preußischen Landesversammlung an, ab 1921 schließlich dem preußischen Landtag. Nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt Carl Severings im Oktober 1926 übernahm er von Januar 1926 bis Februar 1930 das Amt des preußischen Innenministers.
  5. Vgl. Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen: Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984), 1. Aufl., Frankfurt am Main 1984, S. 279.
  6. Levi, Paul: Zwischen Spartakus und Sozialdemokratie: Schriften, Aufsätze, Reden und Briefe Hrsg. und eingel. von Charlotte Beradt, Frankfurt am Main 1969, S. 217.
  7. Ulrich, Axel: Kampf gegen Hitler: Zum politischen Widerstand gegen das NS-Regime im Rhein-Main-Gebiet, in: NS-Herrschaft, Verfolgung und Widerstand [Elektronische Ressource]. Mainz 2004 (= Mainzer Geschichtsblätter, 13), Seitenzählung der zit. Online-Ressource: 1-48, hier: S. 4-5.
  8. Aufruf „Kampf dem System des 30. Januar“, in: „Arbeiter-Jugend. Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend“, 25. Jg., Heft 3, März 1933, S. 51-54, hier: S. 52.
  9. In Naurod, Fischbach, Ruppertshain und Vockenhausen.
  10. Vgl. Reuschling, Dieter: Politischer Widerstand und Verfolgung von NS- Gegnern im Main-Taunus-Kreis von 1932 bis 1945, in: Zwischen Main und Taunus: Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises. Hrsg. vom Kreisausschuss des Main-Taunus-Kreises, Bd. 13 (2005), S. 13–18.
  11. Vgl. ebd.
Sachbegriffe
Eiserne Front · Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold
Einträge
  1. Nationalsozialisten beim Großdeutschen Tag des "Stahlhelms" in Frankfurt am Main, 9.-10. Mai 1925
  2. Besuch des Reichspräsidenten von Hindenburg in Frankfurt, 13. November 1925
  3. NSDAP provoziert die sogenannte Blutnacht von Kassel, 18. Juni 1930
  4. Heftige Debatten um die "Blutnacht von Kassel", 23. Juni 1930
  5. Marburger NS-Studenten zetteln Saalschlacht in Frankenberg an, 26. Oktober 1930
  6. Geringe Geldstrafe für Roland Freisler in Kassel, 24. November 1930
  7. Antifaschistische Demonstration des Reichsbanners in Marburg, 22. Februar 1931
  8. Gründung einer Ortsgruppe der Eisernen Front in Offenbach, Januar 1932
  9. Großdemonstration der Eisernen Front in Darmstadt, 11. Juni 1932
  10. Scheitern der Bestrebungen für ein linkes Wahlbündnis in Kassel, Juni-Juli 1932
  11. Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, 30. Januar 1933
  12. Eiserne Front und Reichsbanner warnen vor "wilden Aktionen", 2. Februar 1933
  13. Veranstaltung der SPD und der Eisernen Front in Darmstadt, 2. Februar 1933
  14. Aufruf der Eisernen Front in Kassel zur Besonnenheit, 4. Februar 1933
  15. Massendemonstration der Eisernen Front in Kassel, 15. Februar 1933
  16. Wahlkundgebung der Eisernen Front in Kassel, 24. Februar 1933
  17. Durchsuchungen bei Kommunisten und Reichsbanner in Eschwege, 28. Februar 1933
  18. Durchsuchungen, Zeitungs- und Kundgebungsverbot in Kassel, 3. März 1933
  19. Staatspräsident Adelung wendet sich gegen Einschüchterung, 3. März 1933
  20. Verbot von Reichsbanner und Eiserner Front in Hessen, 17. März 1933
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde