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Großer Zapfenstreich zur Überführung von Bundesgrenzschutz-Angehörigen in die Bundeswehr in Kassel, 29. Juni 1956

Aus Anlass des Übertritts von Angehörigen des Bundesgrenzschutz-Kommandos Mitte zum Heer der im Vorjahr offiziell gegründeten Bundeswehr findet am Abend in Kassel vor dem Gebäude Graf-Bernadotte-Platz 51 ein Großer Zapfenstreich statt. Etwa 20.000 Menschen wohnen dem Zeremoniell bei.2

Die freiwillig zur Bundeswehr gewechselten Grenzschützer bilden den Stab der 2. Grenadier-Division unter Führung des vormaligen Kommandeurs des Grenzschutzkommandos Mitte Otto Schaefer (1902–2002), der nunmehr zum Brigadegeneral ernannt wurde. Am 9. August 1956 verlegt der Divisionsstab in die Wittichkaserne in der Druseltalstraße. Die 2. Grenadierdivision umfasst 164 Offiziere, 2.030 Unteroffiziere und 921 Mannschaften. Ihre Aufstellung fusst auf dem vom früheren Ministerialdirigenten und Kommandeurs des Grenzschutz West Gerhard Matzky (1894-1983) vorgeschlagenen Plan, fast 10.000 Angehörige des BGS in geschlossenen Verbänden an die Streitkräfte der Bundeswehr zu überführen.

Die dem bisherigen Grenzschutzkommando zugeordnete Fernmeldehundertschaft bildet den Stamm des Fernmeldebataillon 2 unter Führung von Oberstleutnant Vornberger. Der Stab der 2. Grenadier-Division und das Fernmeldebataillon 2 verlegen bereits im Februar 1957 nach Gießen. Das der Division unterstellte Musikkorps IV A unter Hauptmann Hermann Wismer verbleibt in Kassel.
(KU)


  1. Der in der Kasseler Bevölkerung in Anspielung auf seine frühere Zweckbestimmung schlicht als "Generalkommando" bezeichnete Gebäudekomplex wurde in den dreißiger Jahren als Wehrkreisdienstgebäude erbaut und im Mai 1938 eingeweiht. Als damals größtes Bürogebäude Kassels mit 600 Zimmern und sieben großen Sitzungssälen sollte es für die Verwaltung der kriegsvorbereitenden Planungen des Oberkommandos der Wehrmacht Raum bieten. Das Generalkommando des Wehrkreises IX, das vorher im historischen Hofverwaltungsgebäude an der Nordseite des Friedrichsplatzes untergebracht war, bezog den Neubau am Graf-Bernadotte-Platz 1938. Das "Generalkommando" beherbergt nicht nur seit 1952 das Kommando Mitte des Bundesgrenzschutzes, sondern ist seit 1954 auch Sitz des Bundesarbeitsgerichts und des Bundessozialgerichts. Das repräsentative Prunkgebäude mit seinem riesigen Portal gilt als „charakteristisches Beispiel nationalsozialistischer Repräsentationsarchitektur." Vgl. Wiegand, Thomas: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen, Stadt Kassel Bd. 2: Vorderer Westen, Südstadt, Auefeld, Wehlheiden, Stuttgart 2005, S. 279.
  2. Schmidt, Stadt und Garnison Kassel, S. 88.
Belege
  • HeBIS Hammerich, Helmut R. [u. a.]: Das Heer 1950 bis 1970: Konzeption, Organisation und Aufstellung (Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland; 3), München 2006, S. 71.
  • HeBIS Schmidt, Julius: Stadt und Garnison Kassel: ein Führer durch Vergangenheit und Gegenwart (Deutsche Garnisonen; 2), Frankfurt am Main 1958, S. 88.
Weiterführende Informationen
Hebis-Schlagwort
Garnisonen; Bundeswehr; Bundesgrenzschutz
Empfohlene Zitierweise
„Großer Zapfenstreich zur Überführung von Bundesgrenzschutz-Angehörigen in die Bundeswehr in Kassel, 29. Juni 1956“, in: Zeitgeschichte in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/5362> (Stand: 14.11.2017)
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