Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Topografie des Nationalsozialismus in Hessen

Hochstädten, KZ-Außenkommando „Bensheim-Auerbach“ des KZ Natzweiler, ehemaliges Marmoritwerk


Mühltalstraße 135, auf dem Gelände der Firma Knauf-Marmorit
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Verfolgung

Subkategorie:

Konzentrationslager 

Nutzungsgeschichte

Objektbeschreibung:

Als Unterkunft sowohl für die Häftlinge als auch für die Wachmänner wurde eine Holzbaracke errichtet, die aus dem Lager Rollwald stammte. Das Lager lag im Wald in unmittelbarer Nähe zum Marmoritwerk.

Beschreibung:

Das Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof (Elsaß) wurde vermutlich am oder um den 12. September 1944 in unmittelbarer Nähe des Ortes Hochstädten eingerichtet. Dafür wurden griechische Zwangsarbeiter eingesetzt (s. u.). Die Verlegung von KZ-Häftlingen hierher war aufgrund der schweren Luftangriffe auf Darmstadt notwendig geworden, da die Unterkunft im Gestapo-Gefängnis nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Zwar war die Verlegung der Häftlinge bereits geplant gewesen, sie musste aufgrund des Kriegsgeschehens aber sehr rasch umgesetzt werden. Die Häftlinge mussten für den Rüstungsbetrieb Heymann zu arbeiten. Vermutlich waren diesem mindestens 262 KZ-Häftlinge zugeteilt worden, die in dem Lager untergebracht waren. Bewacht wurden sie von ca. 15 SS-Männern. Am 25. oder 26. März 1945 wurde das Lager geräumt. Die Häftlinge sollten aufgrund des Heranrückens der US-Armee in das KZ-Dachau verlegt werden. Nachdem die Häftlinge Dachau erreicht hatten, wurden sie dort erneut als Zwangsarbeiter eingesetzt, ehe sie in Bad Tölz endgültig befreit wurden.

Bemerkungen:

Die 1944 beim Bau eingesetzten griechischen Zwangsarbeiter mussten jeden Tag einen langen Marsch zu ihrer Arbeitsstätte zurücklegen, denn ihr Lager befand sich in der früheren Markthalle (nahe dem Bahnhof Auerbach). Mehr als zehn der 130 griechischen Arbeitskräfte starb an den hier herrschenden unmenschlichen Arbeitsbedingungen.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

11.9.1944

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

26.3.1945

Nutzung vor NS-Zeit:

Das Marmoritwerk (Untertagebau in Stollen) bestand hier bereits seit 1865.

Nutzung nach NS-Zeit:

Nach der Schließung 2008 wurde das Werk im Folgejahr verschrottet.

Indizes

Orte:

Hochstädten

Sachbegriffe:

Außenkommando · Zwangsarbeit · Lager · Konzentrationslager · Verfolgung · Wirtschaft

Nachweise

Literatur:

Gedruckte Quellen:

Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion Bündnis 90 - Die Grünen betreffend Verfolgung und Vernichtung durch das NS-Regime in Hessen, Anlage 1, S. 7

Weblinks:

Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge e. V.

Zitierweise
„Hochstädten, KZ-Außenkommando „Bensheim-Auerbach“ des KZ Natzweiler, ehemaliges Marmoritwerk“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/946> (Stand: 2.12.2015)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde