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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 15. Wilhelmshöhe

Kassel

Stadt · 167 m über NN
Gemeinde Kassel, Stadt Kassel 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Gerichtsplatz; Kloster; Stadt

Lagebezug:

150 km nordnordöstlich von Frankfurt am Main.

Lage und Verkehrslage:

Nordhessische Großstadt im niederen Fuldatal zwischen Habichtswald im Westen und Kaufunger Wald im Osten.

Endbahnhof der Eisenbahnlinien Bad Karlshafen – Kassel ("Carlsbahn"; "Diemeltalbahn II") (Inbetriebnahme der Strecke 29.8.1848), Bebra – Kassel (Inbetriebnahme der Strecke 29.12.1849), Kassel – Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 29.12.1849) und Hann. Münden – Kassel ("Hannöversche Südbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 23.9.1856).

Ersterwähnung:

913

Siedlungsentwicklung:

1152 und 1154 wurde Kassel noch als villa bezeichnet.

1189 nannte man es aber bereits civitas (Brunner).

Seit 1283 gibt es zudem die Neustadt.

Ab 1330 erschien des Weiteren die Freiheit, die 1340 novum opidum Cassele superius hieß (Schultze 163).

Diese drei Stadtteile wurden 1378 vereinigt.

1695 entstand infolge einer Zunahme der Bevölkerung und namentlich im Zuge der Bildung der französischen Gemeinde (seit 1686) die Oberneustadt.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Ortsteile:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3534711, 5687150
UTM: 32 U 534623 5685315
WGS84: 51.31808156° N, 9.496829294° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

611000000

Flächennutzungsstatistik:

  • 1961 (ha): 10521, davon 2507 Wald

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Kassel: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Kassel war der Sitz dreier Ämter:
  • 1. Das Gericht Ahna:
  • 1496 auf der Ane, 1497 Anegericht genannt (Rentamtsrechnung) mit 4 Schöppenstühlen und den Dörfern Dörnberg, Frommerskirchen, Fürstenwald. Harleshausen, Heckershausen, Hohenkirchen, Ihringshausen, Mönchehof, Simmershausen, Obervellmar und Niedervellmar und Wolfsanger.
  • 2. Das Gericht Bauna:
  • Es hieß im 15. Jahrhundert Twerngericht oder Gericht vor dem Twerntor mit drei Schöppenstühlen und den Dörfern Kirchbauna und Altenbauna, Elgershausen, Guntershausen, Hertingshausen, Nordshausen, Rengershausen, Altenritte und Großenritte, Oberzwehren und Niederzwehren.
  • Es hieß seit 1803 Gericht Wilhelmshöhe.
  • 3. Das Gericht Neustadt:
  • Vermutlich die 1247 genannte centa Fulthagen (Landau, Beschreibung des Hessengaues, S. 79) mit 3 1/2 Schöppenstühlen und den Dörfern Bergshausen, Bettenhausen, Dennhausen, Dittershausen, Dörnhagen, Eiterhagen, Heiligenrode, Oberkaufungen und Niederkaufungen, Krumbach, Ochshausen, Sandershausen, Vollmarshausen und Wattenbach, wozu 1747 Großalmerode kam.
  • Seit 1803 hieß es Gericht Kaufungen.
  • Das Salbuch von 1587 nannte als 4. Gericht das Gericht Kirchspiel, siehe Kirchditmold.
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Kassel (bestehend aus der Stadt Kassel, der Colonie Philippinenhof und Mommerode); 1808 erfolgt eine Teilung des Kantons in eine Ober- und eine Unterstadt
  • 1814: Kurfüstentum Hessen, Residenzstadt, bestehend aus Altstadt, Unter-Neustadt und Ober-Neustadt
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Residenzstadt bestehend aus der dazugehörenden Wilhelmshöher und Leipziger Vorstadt, dem Siechenhof, der Colonie Philippinenhof und dem Hof Mommerode
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Landkreis Kassel
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Landkreis Kassel
  • 1866/67: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Stadtkreis Kassel
  • 1952: Kreisfreie Stadt Kassel

Altkreis:

Kassel, kreisfreie Stadt

Gericht:

Gemeindeentwicklung:

Vor 1870: Eingemeindung der Gutsbezirke Rothenberg und Philippinenhof.

1.4.1899: Eingemeindung des Dorfes Wehlheiden in die Stadt Kassel.

1.4.1906: Eingemeindung der Dörfer Wahlershausen, Kirchditmold, Rothenditmold und Bettenhausen in die Stadt Kassel.

1926: Eingemeindung des Gutsbezirks Fasanenhof in die Stadt Kassel.

1928: Eingemeindung der vier Gutsbezirke Oberförsterei Kirchditmold, Wilhelmshöhe, Kragenhof und Oberförsterei Elend in die Stadt Kassel.

1.4.1936: Eingemeindung der Dörfer Harleshausen, Waldau, Oberzwehren, Niederzwehren, Nordshausen und Wolfsanger in die Stadt Kassel.

Als Stadtteile mit eigenen Gemarkungen sind im Gemeindeverzeichnis von 1977 neben der Kernstadt Kassel noch Bettenhausen, Habichtswald (Kassel), Harleshausen, Kirchditmold, Kragenhof (Exklave von Wolfsanger), Niederzwehren, Nordshausen, Oberzwehren, Rothenditmold, Wahlershausen, Waldau, Wehlheiden, Wilhelmshöhe und Wolfsanger ausgewiesen.

Diese alten Gemarkungsgrenzen sind aus der bei LAGIS angefügten Karte ATKIS 1:25.000 ersichtlich und finden sich auch in einschlägigen Publikationen (etwa Denkmaltopographien).

Offiziell von der Stadt Kassel als heutige Stadtteile mit eigenen Gemarkungen bezeichnet werden dagegen Bad Wilhelmshöhe, Bettenhausen, Brasselsberg, Fasanenhof, Forstfeld, Gut Kragenhof (zu Wolfsanger / Hasenhecke), Harleshausen, Jungfernkopf, Kirchditmold, Mitte, Niederzwehren, Nord (Holland), Nordshausen, Oberzwehren, Philippinenhof - Warteberg, Rothenditmold, Südstadt, Süsterfeld / Helleböhn, Unterneustadt, Waldau, Wehlheiden, Wesertor, West und Wolfsanger / Hasenhecke.

Aus historischen Gründen verbleibt die in LAGIS gewählte Systematik der Ortsartikel aber bei der traditionellen Zuordnung als Stadtteil und weist die restlichen modernen Stadtteile als Siedlungen innerhalb der Altgemarkungen aus.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Vielleicht war ursprünglich der König Herr des Ortes.
  • 913 gab es einen Königshof, an den sich bis 1015 bereits ein größerer Ort angeschlossen hatte.
  • 1008 überließ der König einen Herrenhof seiner Gemahlin und diese dem Kloster Kaufungen.
  • 1122 gelangte Kassel aus der Gisonischen Erbschaft an die Landgrafen von Thüringen.
  • 1247 kam es wiederum an die Tochter der heiligen Elisabeth und ihre Nachkommen.
  • 1277 wurde es durch den Bau eines Schlosses erste Hauptstadt von Niederhessen.

Ortsadel:

Adlige: 1155/58-1227

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • a) Altstadt:
  • Die Kirche der Altstadt, ecclesia forensis 1152, wurde damals dem Kloster Ahnaberg übergeben; sie war dem heiligen Cyriacus geweiht.
  • An ihre Stelle als Pfarrkirche trat 1526 die Karmeliter- oder Brüderkirche. Sie stand unmittelbar unter dem Archidiakon zu Fritzlar.
  • Pleban zuerst 1209.
  • b) Neustadt:
  • Die Kirche der Neustadt beate Marie Magdalene wird seit 1342 genannt. Patron Kloster Ahnaberg.
  • c) Freiheit:
  • Pfarrkirche der Freiheit, die Martinskirche, 1367 eingeweiht.
  • d) Oberneustadt:
  • Die Pfarrkirche der Oberneustadt, wozu auch die französische Kolonie gehörte, eingeweiht 1710.
  • Pfarrei seit 1700, französisch seit 1686.
  • e) Sonstiges:
  • Daneben bestehen noch eine Hofgemeinde seit 1623, die Zuchthauspfarrei, die Pfarrei der öffentlichen Anstalten seit 1862; die lutherische Gemeinde seit 1730 und die Militärgemeinde, seit 1666 mit der Hofgemeinde verbunden, seit 1867 selbständig.
  • Katholische Pfarrei seit 1787, Sitz eines Dekanats, wozu die katholischen Gemeinden in Allendorf a. W., Bettenhausen, Eschwege, Hersfeld [Bad Hersfeld], Hofgeismar, Kassel, Melsungen, Nenndorf, Obernkirchen, Rinteln, Rotenburg [Rotenburg an der Fulda], Rothenditmold, Volkmarsen, Wanfried und Wehlheiden gehören.

Patrozinien:

  • Cyriacus (Altstadtkirche 1152) und Maria Magdalena (Neustadt 1152)

Patronat:

Neustadt: Patron Kloster Ahnaberg

Klöster:

Bekenntniswechsel:

1521 erste Anhänger Luthers am Kasseler Hof

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Erhardi, hielt 1524 die Messe in deutscher Sprache, 1520-1572 Pfarrer an der Maria Magdalenenkirche in der Unterneustadt

1525 wird Adam Krafft Hofprediger in Kassel.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605, bis 1731 ist das öffentliche Abhalten lutherischer Gottesdienste verboten.

Seit 1685 Zuwanderung von Hugenotten.

Kirchliche Mittelbehörden:

1526 trat an die Stelle der Pfarrkirche die Karmeliter- oder Brüderkirche. Sie stand unmittelbar unter dem Archidiakon zu Fritzlar.

Die seit 1787 bestehende katholische Pfarrei war Sitz eines Dekanats, wozu die katholischen Gemeinden in Allendorf a. W., Bettenhausen, Eschwege, Hersfeld [Bad Hersfeld], Hofgeismar, Kassel, Melsungen, Nenndorf, Obernkirchen, Rinteln, Rotenburg [Rotenburg an der Fulda], Rothenditmold, Volkmarsen, Wanfried und Wehlheiden gehören.

Juden:

Angeschlossen: Harleshausen, Oberzwehren, Niederzwehren, Nordshausen, Oberkaufungen

Statistik: 1605: 2; 1620: 10; 1623: 12; 1646-1700: 3 jüdische Familien; 1710-1720: 7 Familien; 1726: 12; 1744: 18 Familien; 1796-1800: ca. 50 Familien; 1806: 55; 1812: 101 Familien; 1823: 999 jüdische Seelen (503 männlich; 487 weiblich, 252 Kinder unter und 279 Kinder über 13 Jahren); 1828: 480 Männer/ 350 Frauen); 1835: 1000; 1861: 946; 1880: 1756; 1890: 2199; 1900: 2445; 1910: 2675 Juden; 1932/33: 3000 Juden. Viele Juden wandern zwischen 1933 und 1936 aus. 1941-1942 Deportationen in den Osten

1262: Ersterwähnung einer Judengasse.

1398 Synagoge und Judenschule in alter Judengasse (Fuldaufer/Kloster Ahnaberg). Nach 1600 wurde Haus in der Marktgasse für Gottesdienste genutzt.

1650 Gottesdienste im Haus des Hofjuden Goldschmidt am Judenbrunnen.

1715: Verbot aller Privatgottesdienste, nur noch im Betraum in der Fliegengasse erlaubt, 1755: Erweiterungsbau am Töpfermarkt eingeweiht.

1828: Neubau einer Synagoge beschlossen - Holländisches Tor an der Unteren Königsstraße; 1839 Einweihung der Synagoge; 1907 Umbau der Synagoge; 1938 wird sie zersört

1898: Orthodoxe Synagoge in der Rosenstrasse 22 eingeweiht; wird noch 1942 genutzt, ehe sie 1943 durch Fliegerangriffe zerstört wird.

Betraum Untere Königsstraße/Bremer Straße, von Ostjuden genutzt; besonders nach dem Ende des 1. Weltkriegs Zuzug durch russische Juden aus der Kriegsgefangenschaft.

weiterer Betraum im Altersheim in der Mombachstraße 17

1418 erstmals nach Verfolgung Anwesenheit bezeugt.

keine eigenständige Gemeinde im 16. und 17. Jh.

vor 1766 im östlichen Teil der Altstadt angesiedelt, danach auch in gesamter Altstadt und Unterneustadt

seit 1772 Sitz des Landrabbinats in Kassel; Judenlandtag erstmals 1622 in der Stadt.

18./19. Jh. verschiedene Vereine, Stiftungen und Wohlfahrtseinrichtungen gegründet.

1809: Konsistorialschule gegründet; 1813 wieder aufgelöst

1810: Lehrer- und Rabbinerseminar gegründet; 1824 Neugründung des Lehrerseminars

1824: öffentliche jüdische Schule gegründet, bestand bis 1938; 1939 wieder eröffnet, 1940 Privatschule

Berufe: Handwerker; Bankiers; Händler; Fabrikanten/Unternehmer

Friedhof: um 1360 zwischen Kloster Ahnaberg und Fuldamühle erster Friedhof; zweiter Friedhof am heutigen Königsplatz von 1835 bis 1587.

später Friedhöfe "Am Eichberge" und Fasanenweg (alemannia-judaica)

Nach 1945: 1965: Einweihung der neuen Synagoge in der Bremer Straße, ganz in der Nähe der alten zerstörten Synagoge.

Kultur

Schulen:

Rektor der Stadtschule: Remigius Albulanus noch 1534

Wirtschaft

Mühlen:

1324 und 1388 erwähnte Scheibenmühle in landgräflichen Besitz (GR Kassel; Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 423)

Münze:

Landgräfliche Münzstätte

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kassel, Stadt Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2246> (Stand: 30.8.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde